Warum trage ich eigentlich beim Zocken eine Badehose?

Hach, Rituale. Wenn ich an Rituale denke, erinnert mich das immer an mein Geschichtsstudium in Verbindung mit verschiedenen Kulten oder Religionen. Irgendwie wirkt das gesamte Konzept für mich veraltet – das ist doch purer Aberglaube.

Ob der Fußballer nun sein Kreuzzeichen macht und einen Gruß gen Himmel schickt (was macht er eigentlich, wenn das Stadion überdacht ist? Schickt er dann einen Gruß gen Stadiondecke?) oder der alte Mann, der jeden Morgen sein Brötchen mit 10 Kilogramm Butter verschlingt, weil es gut fürs Herz ist – Rituale verstecken sich hinter so vielen Ecken und Kanten.

Lange habe ich gedacht, dass ich davon befreit bin – ich stehe über diesen Dingen. Wie dumm ich doch war. Nein, wirklich: Wie dumm war ich? Ob es meine Lieblingsschuhe sind oder meine Badehose, die ich fürs Zocken anziehe, irgendwie habe auch ich meine Rituale.

Nur so als Beispiel: Wenn ich mit meinen Jungs ordentlich Counter-Strike zocke, stelle ich mir den Bildschirm gefühlt direkt vor meine Nase und alles andere an die Seite. Ich ziehe meine bequeme Badehose an und will das perfekte Feeling. Ist das nicht auch schon ein Ritual?

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Ähnlich wie dieser Profi, zähle ich auch gern Pixel

Sind wir mal ehrlich, als ob ich besser werde, weil ich fast im Bildschirm sitze. Das Einzige was da besser wird, ist die Laune des Optikers, weil ich bald eine Brille brauche. Rituale sind einfach nur dafür da, damit wir uns gut und sicher fühlen.

Ähnlich war es auch als kleines Kind: Meine Mutter musste mir immer was vorlesen, sonst konnte ich nicht einschlafen. Völliger Humbug! Ich hätte auch so schlafen können. Wenn meine Mutter mich ans Bett gefesselt hätte, wäre ich auch irgendwann eingeschlafen. Vielleicht etwas später, weil meine Nase gern mal juckt und ich verrückt geworden wäre ohne Kratzen – aber irgendwann hätte ich geschlafen. Es geht nur um das gute Gefühl!

Aus diesem Grund schickt der Sportler sein Stoßgebet los oder meine alte Nachbarin fängt um 6:00 Uhr morgens schon mit ihrem Operngesang unter der Dusche an. (Ist es schon ein Ritual, dass ich sie jeden morgen verfluche? Ich will doch nur ausschlafen…)

Und auch Religion ist auf seine Art und Weise ein Ritual. Meine Oma geht jeden Sonntag um 7 Uhr in die Kirche. (Ich weiß das, weil ich sie immer treffe, wenn ich vom Feiern wiederkomme) Warum macht sie das? Ihr würde kein Klavier auf den Kopf fallen, wenn sie nicht aus dem Haus geht am Sonntag – im Gegenteil, es ist sogar sicherer, wenn sie im Haus bleibt. (Sie besitzt kein Klavier und die Wohnungsdecke ist nicht hoch. Aber ich denke, dass tut hier nichts zur Sache.) Sie geht zur Kirche, weil sie sich dann besser und sicherer fühlt – wie bei jedem anderen Ritual auch.

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Schmerzt bestimmt, wenn einem so etwas auf den Kopf fällt

Mit dieser Idee im Kopf habe ich drauf geachtet, wie mein Tag verläuft und war erschrocken: Mein ganzer Tag besteht aus Ritualen und Gewohnheiten, damit ich mich gut fühle. Jeden Tag die Vanillemilch beim ALDI (bekomme ich jetzt einen Werbevertrag?), die Reihenfolge der Lieder in der S-Bahn, U-Bahn und dem Bus – ja, ich fahre lange morgens – sowie mein größtes Ritual: „Kacken vor anpacken“. Was soviel bedeutet, dass bevor ich arbeite, ich erstmal noch aufs Klo gehe. Das musste ich einfach mal loswerden.

Wenn ich also das nächste Mal mit meinen Freunden CS zocke oder sie einlade, um eine Runde Mario Kart zu spielen, werde ich alles Mögliche an Ritualen einsetzen. Für das beste Gefühl und natürlich auch für den ez Win.

Wenn ich so recht darüber nachdenke: Vielleicht sollte ich noch mehr Rituale einführen? Wird es dann noch einfacher? Kann dann nichts mehr in die Hose gehen? Oder zerstöre ich dann mein Ritual-plusKonto wegen Überziehens? Fragen über Fragen.. Was habt ihr denn so für Rituale, die euch das Leben erleichtern?