Von MyScene zu Borderlands

Oder: Mein Weg vom gelegentlichen PC zocken zum Konsolenliebhaber

Videospieltechnisch hatte ich eine traurige Kindheit. Ich konnte weder meinen eigenen Tamagotchi in den Tod pflegen, noch die ganzen Klassiker auf dem Gameboy spielen. Meine Eltern hielten einfach nichts davon, also lag unter dem Tannenbaum, beziehungsweise auf dem Gabentisch zum Geburtstag eben eher eine Barby, Lego Belleville oder ein Buch.

Erst als ich meine Liebe zu Harry Potter entdeckte, klassischerweise natürlich mit 11 (ICH WARTE ÜBRIGENS IMMER NOCH AUF DEN BRIEF!) konnte ich meine Eltern überzeugen, die Spiele spielen zu dürfen. Jedes Mal schlick ich mich nach der Schule in den Keller – nicht, weil ich nicht durfte, sondern weil es da dunkel und gruselig ist, auch heute noch – denn dort stand der PC. Ich war mit vollem Herzblut dabei, zauberte wie ein Weltmeister und hatte danach immer Alpträume vom dunklen Keller, Riesenspinnen und gruseligen Gestalten. Aber es hat sich gelohnt!

Mit der Zeit (ich bin jetzt vielleicht 12?) habe ich eine weitere Kult-Reihe für mich entdeckt: Die „Sims“! Mittlerweile stand der PC auch nicht mehr im Keller. Ich gestaltete Familien, baute, richtete ein – und fing wieder von vorne an. Alle Cheats konnte ich im Schlaf (ROSEBUD!). Meinen Videospiel-Horizont erweiterte ich dann mit „MyScene“. Bis heute habe ich einen Ohrwurm („MyScene, MyScene coole Fashon Queens“) und dazu stehe ich! Für alle, die keine Fashion Queens sind: MyScene ist quasi eine Abspaltung der Barby – sollte damals noch fescher und hipper sein. Im Spiel geht es darum, Outfits zusammen zu stellen und eben Mädchendinge zu tun. Mit viel Pink.

Splinter Cell

Mein „richtiger“ Einstieg in die Zockerwelt kommt aber noch einen Tick später: Mit etwa 14 spielten mein Papa und ich Nachmittags immer gemeinsam am PC. Anfangs waren es „Vietcong“ und das erste „Medal of Honor“. Dann kam ein für mich persönlich entscheidendes Spiel „Tom Clancy’s Splinter Cell“. Weil sich mein Papa beim Schleichen und den sneaky Angriffen nicht immer so gut anstellte, übernahm ich Maus und Tastatur. Immer mehr Missionen spielte ich selbst, bis ich komplett alleine zockte. Ich liebe dieses Spiel! Ich glaube, ich habe alle Titel der Reihe durch. Bis auf das neuste. Wie das läuft nicht richtig auf der Konsole. Aber dazu später mehr.

Sagen wir also, ich war voll in der virtuellen Welt angekommen. Bis zu diesem Punkt hatte ich aber keine Ahnung von Konsolen. Meine einzigen Berührungspunkte mit der Playstation 1 waren bei meiner besten Freundin. Bei meinen Übernachtungsbesuchen spielten wir „Singstar“, bis wir keine Stimme mehr hatten. Danach jagten wir die Story von „Crash Team Racing“ durch und wenn dann noch was ging, wurden so viele Punkte wie geht in „Crash Bash“ geholt. Geil! Ich mach euch heute noch fertig!

Weil ich gut im Jammern bin und meine Mama mit „Singstar“ (mittlerweile gab es nämlich die „Singstar Abba“ Erweiterung – die Lieblingsband meiner Ma) neidisch machen konnte, stand dann (mit 16!?) meine erste Konsole unter dem Tannenbaum – die Playstation 2 Slim. Yeah. Gleichzeitig wurde die PC-Pyramide im Saturn mein Highlight beim Shoppingtrip. Natürlich wurden sämtliche „Singstar“ Versionen gekauft, genauso wie die „Crash“ Spiele und „Guitar Hero“. Das reichte mir dann erstmal, um die Finger wund zu hauen und eine nahe Sehnenscheidenentzündung.

Uncharted 4

Und dann kam Robin. Die neusten Trends und Videospiele waren also nicht mehr zu vermeiden. Anfangs habe ich noch viel zugeschaut – zum Beispiel bei „Uncharted“ oder „Tomb Raider“. Ich wollte aber nie selbst den Controller in die Hand nehmen. Das war irgendwie komisch. So viel ungenauer als am PC und außerdem gab es keine Mikros. Richtig gepackt hat mich dann aber „The Walking Dead“. Und ich war infiziert. Ich konnte Robin ja nicht die folgenreichen Entscheidungen über die kleine Clem überlassen! Aber die Quick-Time-Feuer haben mir für den Anfang gereicht.

Mit der Zeit wurde das „nur zugucken“ bei den anderen Games aber zu langweilig. Also wurde ich regelrecht dazu gezwungen, mitzumachen. Richtig gut funktioniert hat das das erste Mal bei „Borderlands II“. Gaige die Mechromancer Lady – das war einfach ich. Und so zogen wir stunden- nein, was sage ich, tagelang durch die Welt von „Borderlands“. Und – ich will ja nicht angeben – aber mein Deathtrap und ich sind Meister unseres Handwerks! Und ich glaube das war der Zeitpunkt, an dem ich den Controller gar nicht mehr weglegen wollte.

Auf „Borderlands II“ folgten sämtliche Titel von Telltale, „Metal Gear“ und mittlerweile zocke ich alles. Außer Fifa. Niemals Fifa. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.